Rückblick: 2. Deutsch-Norwegische Energiekonferenz, 29.09.11, Oslo „Challenges towards a Sustainable Energy Security“

2011-10-18 08:34

Unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft in Oslo diskutierten mehr als 80 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft die Erfordernisse einer nachhaltigen Energiesicherheit. Im Zentrum der Debatte standen natürlich die dramatischen Veränderungen, die seit der Erstauflage der Konferenz im Dezember 2010 stattgefunden haben. Angesichts der politisch unsicheren Lage in Nordafrika und dem Nahen Osten, der Katastrophe in Fukushima, dem schnellen Atomausstieg Deutschlands, aber auch der sinkenden gesellschaftlichen Akzeptanz von Kernenergie in anderen Staaten Europas, wird die Bedeutung Nordeuropas – vor allem Norwegens – als zuverlässiger Energieversorger Europas weiter wachsen.

Exploration

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist es notwendig, kontinuierlich neue Öl- und Gasquellen zu suchen und zu nutzen. Da sich die Unternehmen dafür weiter nördlich und in unerforschte Gebiete bewegen müssen, ist dies mit neuen technischen und finanziellen Herausforderungen verbunden. Welche es im Detail sind und wie sie gemeistert werden können, stellte unter anderem Bernd Schrimpf, Managing Director von Wintershall Norge dar. Wintershall investiert derzeit etwa die Hälfte seines weltweiten Explorationsbudgets in Norwegen. Hürden, die auch Hans-Joachim Polk (RWE Dea) bestätigen konnte, sind bei­spielsweise die Gewinnung von qualifizierten Arbeitskräften, die langfristigen Lieferverträge für Gas sowie eine fehlende europäische Energiestrategie. In Richtung Brüssel bemerkte Knut H. Nygård (Statoil), dass immer noch nicht eindeutig klar ist, ob Erdgas als Teil des Problems oder Teil der Lösung gesehen wird.

Infrastruktur

Ein europäischer, funktionierender Markt ist auch für Investitionen in die Infrastruktur uner­lässlich. Über den Stand und die Pläne bei den Deutsch-Norwegischen Pipelines informierte Thorbjørn Svendsen, Director Infrastructure Development bei Gassco. Mike Diekmann (VNG – Verbundnetz Gas AG) und Daniel Muthmann (E.ON Ruhrgas) betonten dagegen, dass das prognostizierte „Golden Age of Gas“ kein Selbstläufer sein wird und es vielmehr darauf ankäme, dass Produzent und Importeur ihre Ressourcen auf eine Stabilisierung der Erdgasnachfrage lenken. Aufgabe der Politik ist es dabei, europaweit synchronisierte Rahmenbedingen zu schaf­fen, damit Erdgas dem ihm zugedachten Beitrag zur Energiewende und einer CO2-armen Energieversorgung tatsächlich leisten kann. Dabei zeigten die Referenten eine Vielzahl von modernen Anwendungsmöglichkeiten für Erdgas auf.

Energiemix

Einar Westre vom Industrieverband Energi Norge verdeutlichte mit Blick auf Europa, dass auf dem Weg zu einem einheitlichen politischen Rahmen, der faire Bedingungen für alle Beteiligten bietet, noch viel Arbeit geleistet werden muss. Dass die Industrie über technische Lösungen für eine sichere und nachhaltige Energieversorgung verfügt, stellte Per Otto Dyb von Siemens dar. Doch der Wandel zu einem intelligenten Netz kann nicht allein von der Industrie bewältigt werden. Dass die Wissenschaft ihren Beitrag dazu leistet und den Netzwerkgedanken lebt, stellte Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Beck, Vorsitzender des Energiefor­schungszentrums Niedersachsen dar. Das Institut arbeitet mit Partnern aus den Nieder­landen, Norwegen und Schottland an einer gemeinsamen Initiative für eine European North Sea Energy Alliance.

Ausblick

In den Diskussionen während der Konferenz sowie beim abschließen­den Empfang in der Residenz des Deutschen Botschafters Detlev Rünger hat sich heraus­kristallisiert, dass verlässliche politische Rahmenbedingungen bei der Exploration für eine nachhaltige Energie­sicherheit unverzichtbar sind. Die 3. Deutsch-Norwegischen Energie­konferenz 2012 wird darauf noch stärkeres Gewicht legen, um den Austausch zwischen Entscheidern aus Politik, Industrie und Wissenschaft weiter zu intensivieren und sich als wichtige Plattform des norwe­gischen und deutschen Energiesektors zu etablieren.

Wir bedanken uns bei allen Referenten, Teilnehmern und natürlich unseren Sponsoren:

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Politischer Hintergrund

Dass die Themen der Konferenz am Puls der politische Diskussionen liegen, unterstreicht nicht nur der dreitägige Staatsbesuch des deutschen Wirtschafts­ministers Philipp Rösler beim norwegischen Energieminister Ola Borten Moe Anfang August dieses Jahres. Thema­tischer Schwerpunkt waren die künftigen Energiebeziehun­gen beider Länder, insbesondere die Perspektiven der langjährigen, bewährten Gaslieferungen zwischen norwegischen und deutschen Unternehmen. Im Zusammenhang mit dem Besuch betonte das Wirtschafts­ministerium in einer Pressemitteilung, dass norwegisches Gas einen erheblichen Beitrag zur Energiewende in Deutschland leisten könne und dass die Bedeutung von Erdgas-Kraftwerken als flexible und vergleichsweise CO2-arme Stromlieferanten künftig weiter zunehmen werde. Die Energiebeziehungen zu Norwegen könnte zudem für den Ausbau erneuerbarer Energiequellen hilfreich sein.

Zum Abschluss der Gespräche unterzeichneten die Minister eine gemeinsame Erklärung. Darin vereinbarten sie unter anderem die Einsetzung zweier bilateraler deutsch-norwegi­scher Arbeitsgruppen auf ministerieller Fachebene.

Dass die Nachfrage nach Öl und Gas steigen wird, davon geht auch die Bundesregierung in ihrer Unterrichtung zum Nationalen Masterplan Maritime Technologien (17/6926) aus. Darin  heißt es, dass der welt­weite Energiebedarf bis in das Jahr 2030 voraussichtlich um über 50 Prozent steigen werde. „Die fossilen Energieträger Öl und Gas werden daher ihre hohe Bedeutung im Energiemix behalten, insbesondere auch in den Schwellenländern“, schrieb die Bundesregierung, und wies gleichzeitig darauf hin, dass Reservoirs im Tief- oder Ultratief­wasser oder in Eis- und Polargebieten zunehmend in den Fokus rücken würden. So wäre die Erschließung von Erdöl- und Erdgasfeldern in einer Tiefe von mehr als 1.500 bis 3.000 Metern ein wesentlicher Trend für die zukünftige Entwicklung des weltweiten Offshore-Marktes, was für die kommenden Jahre ein weit überdurchschnittliches Marktwachstum erwarten ließe.

Hier haben Sie die Möglichkeit, alle Vorträge sowie die Bilder des Konferenz herunterzuladen.